„Zweiverbandlichkeit“

Die Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens sind vielerorts ausschließlich als „die“, d.h. die eine „J-GCL“ bekannt. Tatsächlich setzt sich die J-GCL aber aus dem Mädchen- und Frauenverband (GCL – Mädchen und Frauen, kurz: „GCL-MF“) und dem Jungen- und Männerverband (GCL – Jungen und Männer, kurz: „GCL-JM“) zusammen. Diese Zweiverbandlichkeit hat weit zurückreichende historische Wurzeln und ist für uns bleibend aktuell und sinnvoll.

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Eigenständig und gemeinsam

Jeder Verband existiert völlig eigenständig, hat eine eigene Satzung, eigene Trägervereine und Leitungsgremien, die aus den eigenen Reihen besetzt werden. Neben enger Zusammenarbeit auf allen verbandlichen Ebenen werden durch die strukturelle Trennung geschlechtsgetrennte Angebote und eine geschlechtsspezifische Sichtweise gefördert. Es gibt sowohl gemeinsame als auch (geschlechts-)getrennte Gruppenstunden, Workshops, Arbeitskreise, Zeltlager-Elemente, Wochenenden, andere Veranstaltungen, Schulungseinheiten, Konferenzen und Wahlen.

Unsere Zweiverbandlichkeit verstehen wir in diesem Sinne als „Projekt: eigenständig und gemeinsam“.

Realisierte Parität

Die Leitungsgremien der beiden Verbände arbeiten als gemeinsame J-GCL-Leitungen zusammen. So ist im Prinzip die politische Forderung nach paritätischer Besetzung von Ämtern verwirklicht, auch im Fall der geistlichen Leitung. Das Amt „KirchlicheR AssistentIn“ kann in der J-GCL sowohl von Männern als auch von Frauen wahrgenommen werden. Die reale Besetzung des Amtes der „Kirchlichen Assistentin“ auf Bundesebene hat für uns eine wichtige Signalfunktion innerhalb wie außerhalb der Verbände.

Weitere Chancen der Zweiverbandlichkeit

Geschlechtsgetrennte Angebote in den Verbänden ermöglichen das Zusammensein mit anderen Mädchen und Frauen bzw. mit anderen Jungen und Männern, etwas zusammen zu erleben, zusammen Spaß und Austausch zu haben, ohne Profilierungsdruck gegenüber dem anderen Geschlecht.

Jungen und Mädchen brauchen und suchen sich Vorbilder in erster Linie aus dem eigenen Geschlecht. GruppenleiterInnen sind Identifikationsfiguren und begleiten Jüngere auf einem prägenden Abschnitt ihres Lebensweges. Jungen/Männer-Arbeit und Mädchen/Frauen-Arbeit versetzt GruppenleiterInnen in die Lage, (verantwortungs-) bewusst mit dieser Aufgabe umzugehen. Sie kann in diesem Sinne sowohl pädagogisch für die Gruppenarbeit als auch persönlich (über Selbstreflexion) für die GruppenleiterInnen bereichernd sein.

Die Zweiverbandlichkeit lenkt den Blick immer wieder auf die je eigenen Lebenswelten, Stärken, Bedürfnisse, Probleme und Fragen von Mädchen/Frauen und Jungen/Männern. Sie schärft die Wahrnehmung der/des Einzelnen, bereichert Reflexionen und erweitert den Blick in Lebens- und Glaubensentscheidungen.

Die zweiverbandliche Arbeit ermöglicht, dass sich Mädchen und Frauen, Jungen und Männer jeweils mit eigenen Themen beschäftigen und eigene Beschlüsse fassen können. Von „getrennten Konferenzen“ wird gegenseitig Bericht erstattet, damit jeder Verband informiert ist, was im Moment den anderen besonders beschäftigt. Auf Konferenzen und darüber hinaus besteht die Gelegenheit, dass Jungen/Männer und Mädchen/Frauen gegenseitig Ergebnisse, aufgetauchte Fragen und Erarbeitetes kommentieren, hinterfragen oder auch in gemeinsamen Themen weiterentwickeln.

Im Blick auf unsere Ziele

Wir nutzen sowohl die „Eigenarten“ der Geschlechter als auch ihr Zusammenleben in der J-GCL für die Persönlichkeitsentwicklung der/des Einzelnen, sowie für das bessere Zusammenwirken von Mädchen/Frauen und Jungen/Männern in verschiedensten gesellschaftlichen wie kirchlichen Zusammenhängen.

Geschlechtsgetrennte Arbeit bedeutet nicht, Attribute wie „männlich“ und „weiblich“ festzuschreiben, sondern vielmehr darum, mehr Freiheit und freie Entscheidungen für Jungen/Männer und Mädchen/Frauen zu erreichen. Versteckte Talente (evtl. durch vorweggenommene Zuständigkeitsverteilung) sowie Unterschiedlichkeit und Vielfalt unter Jungen/Männern und Mädchen/Frauen können in geschlechtshomogenen Gruppen deutlicher erkannt und wertgeschätzt werden.

Dabei heißt für uns Entwicklung eigener Persönlichkeit als Mann oder Frau nicht EinzelkämpferInnentum, nicht isolierende und überfordernde Individualisierung. Wir fordern und fördern einander, stellen uns Fragen und ermutigen uns gegenseitig, Träume zu leben, Neues auszuprobieren – innerhalb der einzelnen Verbände und gemeinsam als J-GCL.

Wir wollen ein Leben, eine Welt, eine Gesellschaft und Kirche, die immer weniger durch patriarchale und hierarchische Traditionen bestimmt und eingeengt, sondern von uns als selbstbewusst und eigenverantwortlich handelnden Männern und Frauen gestaltet wird.

Ausgehend von der Realität die Welt gestalten

In unserer Gesellschaft und Kirche macht es einen Unterschied, ob man als Mädchen oder Junge geboren und sozialisiert wird. Das hat positive und negative Spannungen zur Folge: Voneinander-Angezogen-Sein und bereicherndes Unterschiedlich-Sein, aber auch Benachteiligungen. Wo Einzelne oder ganze Gruppen eines Geschlechtes benachteiligt oder verletzt werden, kritisieren wir dies, wollen die dahinterliegenden Mechanismen (von Erwartungen, Prägungen usw.) hinterfragen und greifbare Veränderungsmöglichkeiten in das Zusammenleben beider Verbände, in Schule, Kirche und Gesellschaft einbringen.

GCL-MF und GCL-JM streben an, die je eigenen Themen und Sichtweisen gemeinsam zu diskutieren, mit Rollen(-verteilungen) zu experimentieren, dadurch den Horizont zu erweitern und dementsprechend zu handeln. So wird zwischen den Verbänden ein gleichberechtigteres Miteinander eingeübt, welches auch über J-GCL und J-GCL-Zeit hinaus in Schule, Gesellschaft und Kirche hineinwirken und sich bewähren kann.

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